Dietz Motoren GmbH & Co. KG

Vertrieb beauftragt Fertigung

Ein Motor ist ein Motor? Nicht für die Ingenieure bei Dietz. Der schwäbische Traditionskon­zern fertigt Elektroantriebe für beinahe alle denkbaren Anwendungsfäl­le: Vom kleinen Rotor im Back­ofen bis zum Stellmotor eines Windkraftwerkes. Und nicht weni­ge der jährlich produzierten 160.000 Einheiten sind Individualanferti­gungen. Die ERP­ Software unipps sorgt für rei­bungslose Ab­läufe.

„Elektromotoren können so unterschiedlich sein wie Autos: Sie unterscheiden sich in Leistung, Anwendungsfall, Aussehen, Abmessung und hunderterlei Details mehr.“ Dieter Irsiegler, EDV- Leiter bei der Dietz Motoren GmbH, muss selbst ein wenig schmunzeln bei diesem Vergleich. Aber schon nach einigen einführenden Sätzen zum Thema „Elektromotor“ wird klar: Er hat recht mit seinen Worten. „Unsere Elektromotoren können praktisch überall zum Einsatz kommen: Bei normalen Haushaltsgeräten, bei Industriemaschinen, im Hochpräzisionsbereich, auf Messprüfständen, im Transportwesen, in der Schwerindustrie oder in der Landwirtschaft – es gibt weltweit praktisch keine Branche, die ohne Elektromotoren auskommt“, so Irsiegler. Das bedeutet für Dietz: Die Kunden sind überall. Das bedeutet aber auch: Die Anforderungen der Kunden sind unendlich. Irsiegler: „Wir haben als Unternehmen nur dann eine Berechtigung am Markt, wenn wir die Anforderungen unserer Kunden flexibel und individuell erfüllen können. Also müssen wir die Variantenfertigung möglichst effizient beherrschen.“

Dabei hilft seit 2001 das ERP-System UniPPS® von Comtri. UniPPS® ist ein vergleichsweise junges ERP-System, das Ende der 90er Jahre von Grund auf neu entwickelt wurde. Der Fokus der Entwicklung lag auf der Abbildung und Steuerung von Unternehmensprozessen, wie sie typischerweise bei Einzel- und Variantenfertigern anfallen – also bei Unternehmen wie Dietz Motoren. Die Produkte des seit 1922 bestehenden Unternehmens  werden  in  Stückzahlen  von  einem bis 10.000 Motoren pro Jahr gefertigt. Die Konstruktion eines Motors oder Rotors wird dabei ausschließlich von den Kundenanforderungen bestimmt. „Natürlich haben wir gewisse Standard-Parameter.  Aber die Varianten sind einfach zu zahlreich, um sie als Baukastensystem wiederaufleben zu lassen“, so Irsiegler. Allein die Zahl der Achsvarianten in den Motoren beläuft sich auf rund 8.000 – bei insgesamt etwa 13.000 Motorvarianten im System. Im Ergebnis bedeutet dies, dass mit jedem neuen Kundenauftrag eine neue Variante hinzukommt. „Selbst wenn zwei Motoren von zwei unterschiedlichen Auftraggebern die selben Abmessungen und Leistungsdaten haben sollen, sind sie sicher im Detail unterschiedlich: Der eine will am Achsende ein Gewinde für eine Hutmutter, der andere eine Bohrung, wieder ein anderer braucht bestimmte Fasen in der Achse. Und selbst wenn alle konstruktionstechnischen Daten identisch sind,  dann braucht ein Kunde bestimmt eine Speziallackierung aus besonderem säure- oder chemikalienbeständigem Lack“, berichtet Irsiegler aus der Praxis.

Vertrieb kann direkt beauftragen

Trotz all dieser Varianten und der sehr hohen Fertigungstiefe bei Dietz ist nach  Einführung  von UniPPS® die Durchlaufzeit für die Produktion eines Motors von der Auftragserteilung bis zur Auslieferung von zwölf auf drei Wochen gesunken. Der Grund: Die Software übernimmt bei Dietz große Teile der Auftragsorganisation und die komplette Unternehmensorganisation. Sobald der Vertrieb einen neuen Auftrag in das System einspeist, werden zahlreiche weitere Schritte automatisiert angestoßen: Das System zerlegt den Auftrag in Fertigungsstücklisten, kennt den Lagerbestand, mahnt eine eventuelle Materialbeschaffung über den Einkauf an, überprüft die Auslastung der Produktion, erstellt Fertigungspläne und kümmert sich um die Disposition. „All diese Parameter müssen natürlich von den jeweiligen Verantwortlichen der Abteilungen – wir sind in   ‚profit centern‘   organisiert – überprüft und freigegeben werden“, so Irsiegler. „Aber die Software ist mittlerweile gut auf die Abläufe im Unternehmen eingerichtet – und umgekehrt.“

Rund 80 Prozent aller Aufträge können direkt von den Vertriebsmitarbeitern beauftragt werden. Diese haben dank der einheitlichen Datenbasis von UniPPS® Zugriff auf den gesamten bisher produzierten Warenbestand. Bei den anspruchsvolleren Jobs klären die Konstrukteure die technischen Möglichkeiten. Zwar könnte UniPPS® auch hier mit dem integrierten Variantengenerator  unterstützend zur  Seite stehen. „Aber die Variationsmöglichkeiten unserer Produkte lässt sich nur sehr schwer schematisieren und formalisieren“, erläutert Ingenieur Irsiegler. „Ein bisschen Grips muss immer noch sein.“

Wie bei jeder Einführung einer ERP-Software war auch bei der Implementierung von UniPPS® bei Dietz einiges an Handarbeit gefragt. Dieter Irsiegler nennt ein Beispiel: „Das geballte Know-how jedes Elektromotors steckt bei uns in der sogenannten Wickeldatei. Dort sind all die Parameter hinterlegt, die für die elektrische Leistung des Kraftpakets zuständig sind – Wicklungszahl der Kupferdrähte und deren Stärke etwa, und einige weitere technische Informationen.“ Diese Daten mussten nun softwaretechnisch mit den Fertigungsschritten in UniPPS® verbunden  werden. Allerdings sollten diese hochsensiblen Informationen nicht unbedingt das Stammhaus von Dietz Motoren verlassen. „In dieser Situation war es für uns ein Segen, dass UniPPS® so transparent und übersichtlich aufgebaut ist. So konnten wir Sonderanpassungen unproblematisch im Haus erledigen.“ Anders als bei Wettbewerberprodukten liefert der UniPPS®-Anbieter Comtri  mit der Installation auch eine genaue Datenbank-Feldbeschreibung mit – ein unschätzbarer Vorteil fürs In-House-Customizing. „Das System ist aus Administratorensicht sehr günstig und wartungsfreundlich“, so Irsieglers Fazit nach sieben Jahren UniPPS®. Auch von der Stabilität weiß er nur Gutes zu berichten. „Wir spielen testweise manchmal ein Backup aufs System zurück, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Gebraucht haben wir diese Rückfallmöglichkeit noch nicht. Die Verfügbarkeit innerhalb der sieben Jahre liegt bei deutlich über 99  Prozent.“

In sich geschlossenes System

Die reibungslosen Abläufe bei Dietz sind auch auf die umfassende Implementierung aller UniPPS®-Module zurückzuführen. Alle Unternehmensbereiche, die mit der Fertigung in Berührung kommen, sind in UniPPS® abgebildet – erst die Finanzbuchhaltung  erfolgt außerhalb der ERP-Software. Aber auch hier ist über eine Schnittstelle zum Datenaustausch keine doppelte Datenhaltung nötig. „Unternehmen, die UniPPS® nur in einigen Teilbereichen einsetzen, verschenken Potenzial“, davon ist Dieter Irsiegler überzeugt. „UniPPS® ist ein in sich geschlossenes System. Alle Daten stehen miteinander im Zusammenhang. Dadurch werden Engpässe in der Produktion genauso sichtbar wie beispielsweise die Kapitalbindung durch halb fertige Bestände. Fürs Controlling ist die durchgängige Datenbasis von UniPPS® ideal.“

Und noch einen weiteren Vorteil hat Irsiegler in den Jahren entdeckt: Die Akzeptanz der Software bei den Mitarbeitern ist hoch – und nicht erst in den sieben Jahren Gewöhnung gewachsen. „Das Design, also die Eingabemasken der Software sind durchgängig und logisch – da kommt nach kurzer Zeit jeder mit zurecht. Das gilt abteilungsübergreifend. Wer beispielsweise einmal im Einkauf gearbeitet hat, findet sich im Lagerwesen von UniPPS® in kürzester Zeit zurecht.“ Ein Grund, auch weitere Standorte der Dietz-Gruppe – die Dietz Rotoren in Ennabeuren und die Dietz Technoplast in Heroldstatt – ebenfalls über VPN an UniPPS® anzubinden. Probleme?

„Keine“, lacht Irsiegler. „Aber das sind wir ja schon beinahe so gewöhnt von  UniPPS®.“